Unterkünfte außerhalb von Hotels werden Teil der touristischen Landkarte
The Wider View · Hotellerie
Ein Hotelzimmer ist für eine Destination in der Regel leicht sichtbar. Es gehört zu einem klar identifizierbaren Betrieb, ist Teil einer anerkannten Beherbergungsstruktur und taucht früher oder später in den Tourismusstatistiken auf.
Eine privat gehaltene Wohnung, die für drei Nächte über eine Online-Plattform angeboten wird, ließ sich historisch deutlich schwerer in dasselbe Bild einordnen.
Dieser Unterschied ist heute wichtiger als früher.

Im Jahr 2025 verbrachten Gäste laut Eurostat 951,6 Millionen Nächte in kurzfristig vermieteten Unterkünften, die in der Europäischen Union über Airbnb, Booking und Expedia gebucht wurden. Das waren 11,4% mehr als 2024. Das Wachstum setzte sich 2026 fort: Allein im ersten Quartal wurden 144,3 Millionen Übernachtungen verzeichnet, 9,7% mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
Hinter diesen Zahlen steht ein wichtiger methodischer Hinweis. Eurostat weist darauf hin, dass 2025 das erste Referenzjahr war, das auf Daten von drei statt vier Plattformen beruhte, nachdem Tripadvisor diesen Geschäftsbereich Ende 2024 verlassen hatte. Der Anstieg von 11,4% bleibt die von Eurostat veröffentlichte Veränderung gegenüber dem Vorjahr, doch die veränderte Abdeckung sollte bei der Interpretation berücksichtigt werden.
Es handelt sich längst nicht mehr um eine kleine Beherbergungskategorie am Rand des Tourismussystems.
Dennoch wird über Kurzzeitvermietungen häufig zuerst aus Positionen heraus und erst danach anhand von Zahlen diskutiert.
Hotels stellen Fragen zu Regulierung und Wettbewerbsbedingungen. Bewohner sorgen sich um Wohnraum und Belastungen in ihren Vierteln. Gastgeber verweisen auf Einkommen und Flexibilität. Destinationen sehen zusätzliche Kapazität. Plattformen haben Unterkünfte auch dort zugänglich gemacht, wo das klassische Hotelangebot begrenzt sein kann.
Alle diese Positionen können berechtigte Anliegen enthalten.
Darunter liegt jedoch eine einfachere operative Frage:
Wie viel Beherbergungskapazität für Besucher gibt es in einer Destination tatsächlich, wo befindet sie sich und wann wird sie genutzt?
Europa beginnt, darauf eine konsistentere Antwort zu entwickeln.
Der Wandel betrifft zuerst Sichtbarkeit, nicht Einschränkung
Die Verordnung (EU) 2024/1028 gilt seit dem 20. Mai 2026 und schafft einen gemeinsamen europäischen Rahmen für die Erhebung und Weitergabe von Daten zu kurzfristigen Beherbergungsvermietungen.
Ebenso wichtig ist zu verstehen, was die Verordnung nicht tut.
Sie legt keine europaweite Obergrenze für Kurzzeitvermietungen fest. Sie sagt Städten nicht, wie viele Wohnungen sie zulassen dürfen. Und sie schafft keine einheitliche Wohnungspolitik für Barcelona, Paris, Rom, Dubrovnik und alle anderen Destinationen mit unterschiedlichen lokalen Bedingungen.
Der Rahmen ist außerdem an Bedingungen geknüpft: Mitgliedstaaten müssen nicht allein deshalb Registrierungssysteme für Kurzzeitvermietungen einführen, weil die Verordnung existiert. Wo jedoch Registrierungsverfahren eingerichtet und Plattformdaten im Rahmen der Verordnung verlangt werden, müssen diese Systeme gemeinsamen Regeln folgen.
Wo ein Mitgliedstaat ein solches Registrierungsverfahren betreibt, erhalten Gastgeber eine eindeutige Registrierungsnummer. Plattformen müssen sie anzeigen und angemessene Anstrengungen unternehmen, ihre Gültigkeit regelmäßig stichprobenartig zu prüfen. Für Angebote, die den Datenaustauschpflichten unterliegen, werden Aktivitätsdaten über nationale Single Digital Entry Points übermittelt. Der reguläre Meldezyklus ist monatlich, während qualifizierte kleine und Kleinstplattformen unterhalb der festgelegten Schwelle vierteljährlich melden können.
Hinter der Verwaltungssprache verbirgt sich ein größerer Wandel: Aktivitäten der Kurzzeitvermietung lassen sich zunehmend in dieselbe Destinationskarte einordnen, die für die Tourismusplanung genutzt wird.
Für Behörden, die Verkehr, Abfall, öffentlichen Raum, Infrastruktur, Wohnungspolitik und Besucherströme verantworten, ist die größere Sichtbarkeit von Unterkünften außerhalb klassischer Hotels von Bedeutung.
Die Verordnung ist deshalb nicht nur als Plattformregulierung interessant, sondern auch als Teil einer Infrastruktur für Destinationsmanagement.
Der Beherbergungsmarkt ist über die alte Karte hinausgewachsen
Die traditionelle Hotellerie entwickelte sich um vergleichsweise sichtbare Kapazitäten.
Ein Resort hat 300 Zimmer.
Ein Stadthotel fügt weitere 180 hinzu.
Ein Betrieb schließt wegen Renovierung.
Ein neues Hotel eröffnet.
Die Zahlen sind nie vollkommen und Statistiken kommen mit Verzögerung, doch der physische Bestand bleibt relativ gut nachvollziehbar.
Plattform-Unterkünfte verhalten sich anders.
Angebot kann innerhalb von Wohngebäuden entstehen, in Spitzenzeiten wachsen und später wieder schrumpfen. Eine Einheit kann zwischen Wohn- und touristischer Nutzung wechseln. Manche Gastgeber betreiben nur eine Unterkunft, andere ganze Portfolios. Die Verfügbarkeit kann sich im Jahresverlauf verändern.
Aus Sicht des Gastes stehen all diese Betten jedoch in derselben grundlegenden Entscheidung:
Wo werde ich heute Nacht schlafen?
Die Kapazität einer Destination lässt sich deshalb nicht mehr allein durch das Zählen von Hotels verstehen.
Die Eurostat-Zahlen zeigen die Größenordnung. 2025 wurden über die drei erfassten großen Plattformen beinahe eine Milliarde Übernachtungen gebucht. Dahinter stehen Menschen, die in Vierteln ankommen, Verkehrsmittel nutzen, in Restaurants essen, Sehenswürdigkeiten besuchen und den öffentlichen Raum gemeinsam mit Hotelgästen nutzen.
Das Tourismussystem erlebt den Besucher unabhängig davon, welche Unterkunftskategorie auf der Buchungsbestätigung steht.
Bessere Daten können auch Hotelentscheidungen verbessern
Die Hotellerie könnte versucht sein, eine stärkere Registrierung von Kurzzeitvermietungen vor allem als Regulierungsfrage zu betrachten, die eine andere Beherbergungsform betrifft.
Es gibt jedoch eine weitergehende wirtschaftliche Bedeutung.
Vollständigere Destinationsdaten können Hotels helfen, ihre eigenen Märkte besser zu verstehen.
Stellen wir uns eine Stadt vor, in der das Hotelzimmerangebot nahezu unverändert geblieben ist, während die Besucherankünfte weiter steigen. Ein Hotelier, der nur den klassischen Bestand betrachtet, könnte daraus schließen, dass der Markt strukturell knapper wird.
Was aber, wenn im selben Zeitraum mehrere Tausend zusätzliche Wohnungen in die kurzfristige touristische Nutzung wechseln?
Die Destination könnte erhebliche zusätzliche Beherbergungskapazität geschaffen haben, ohne ein einziges Hotel zu bauen.
Auch das Gegenteil ist möglich. Lokale Regulierung, Veränderungen am Wohnungsmarkt oder anderes Gastgeberverhalten können Plattformangebot verringern. Nachfrage, die sich zuvor auf Wohnungen verteilte, kann wieder in klassische Unterkünfte zurückkehren.
Für Revenue Manager, Entwickler und Hoteleigentümer sind solche Bewegungen relevant.
Sie können beeinflussen, wie Destinationsnachfrage interpretiert, neue Hotelprojekte bewertet und ungewöhnliche Auslastungsmuster verstanden werden.
Ein vollständigeres Bild des Beherbergungsangebots macht Prognosen nicht einfach.
Es kann jedoch einen blinden Fleck verkleinern, der zu groß geworden ist, um ihn zu ignorieren.
Registrierung verändert die Bedeutung eines Angebots
Daneben vollzieht sich ein leiserer Wandel.
Ein Online-Angebot kann vorübergehend wirken.
Ein Gastgeber lädt Fotos hoch, schreibt eine Beschreibung, setzt einen Übernachtungspreis und öffnet einen Kalender. Von außen betrachtet wirkt dieser Vorgang eher wie digitaler Handel als wie Tourismusinfrastruktur.
Eine Registrierungsnummer verändert diese Beziehung.
Sie verbindet ein digitales Angebot mit einer konkreten Unterkunftseinheit, die innerhalb eines öffentlichen Systems erfasst ist.
Dadurch wird eine Wohnung nicht zu einem Hotel.
Auch müssen beide nicht zwingend unter identischen Regeln arbeiten. Geschäftsmodelle, bauliche Strukturen und Serviceerwartungen können sehr unterschiedlich sein.
Doch Registrierung schafft Nachvollziehbarkeit.
Die Unterkunft ist nicht mehr nur etwas, das auf einem Plattformbildschirm erscheint. Sie wird zu einer Einheit, die gezählt, mit Aktivitätsdaten verknüpft und innerhalb einer Destination besser verstanden werden kann.
Das ist eine wichtige Entwicklung für eine Branche, die zunehmend von Beherbergungskapazität außerhalb klassischer Hotelgebäude geprägt wird.
Daten werden die Wohnungsdebatte nicht lösen
Bessere Informationen liefern keine einfachen Antworten auf komplexe politische Fragen.
Kurzzeitvermietungen können Destinationen unterschiedlich beeinflussen.
An einem Ort können sie zusätzlichen Druck auf einen ohnehin angespannten Wohnungsmarkt ausüben. An einem anderen können sie Ferienimmobilien aktivieren, die sonst leer stünden. Sie können Besucher in bereits belasteten Gebieten konzentrieren oder Tourismus in Viertel und Destinationen mit geringem Hotelangebot verteilen. Sie können Einkommen für einzelne Eigentümer und Geschäft für lokale Restaurants und Dienstleistungen schaffen.
Auch die Europäische Kommission erkennt beide Seiten an: Kurzzeitvermietungen können Chancen für Gastgeber, Touristen und lokale Unternehmen schaffen, zugleich aber den Druck in Gebieten erhöhen, die bereits unter Wohnungsmangel und hoher touristischer Nachfrage leiden.
Bessere Messung sollte die Debatte deshalb präziser machen, nicht einfach aggressiver.
Eine Stadt sollte besser in der Lage sein, Aktivitäten zwischen Vierteln zu vergleichen und wohnungspolitische Annahmen anhand umfassenderer Beherbergungsdaten zusammen mit lokalen Wohnungsmarktdaten zu überprüfen.
Behörden können zudem klarer erkennen, ob Besucherdruck ganzjährig besteht oder sich auf bestimmte saisonale Phasen konzentriert.
Und Maßnahmen können nach ihrer Einführung bewertet werden, statt ausschließlich auf Annahmen zu beruhen, die davor getroffen wurden.
Daten machen Politik nicht neutral.
Bessere Evidenz kann schwache Erklärungen jedoch schwerer haltbar machen.
Hotels und Vermietungen werden Teil derselben Destinationsgleichung
Über Jahrzehnte konnten Beherbergungskategorien weitgehend in getrennten Bereichen verwaltet werden.
Hotels gehörten zum Tourismus.
Wohnungen gehörten zum Wohnungsmarkt.
Ferienhäuser lagen irgendwo dazwischen.
Digitale Plattformen haben diese Grenzen weniger nützlich gemacht.
In einem Wohngebäude können heute auf derselben Etage Einheimische, Langzeitmieter und internationale Besucher wohnen. Ein Reisender kann bei der Unterkunftssuche zwischen einem Vier-Sterne-Hotel, einem Serviced Apartment und einer privat betriebenen Wohnung wechseln, ohne der institutionellen Unterscheidung besondere Bedeutung beizumessen.
Eine Destination kann sich dieselbe Gleichgültigkeit nicht leisten.
Jede Beherbergungsform bringt unterschiedliche Verantwortlichkeiten und Wirkungen mit sich, doch alle tragen in irgendeiner Weise zur Besucherkapazität bei.
Deshalb liegt der wichtigste Teil des neuen europäischen Rahmens vielleicht nicht in der Registrierungsnummer selbst.
Entscheidend ist die Möglichkeit, ein klareres Bild des gesamten touristischen Beherbergungsökosystems zu entwickeln.
Hotels haben Gründe, diese Sichtbarkeit zu begrüßen, statt den Rahmen nur als Regulierung eines Wettbewerbers zu verstehen.
Genauere Informationen darüber, wo Besucher übernachten und wie sich das Angebot im Zeitverlauf verändert, können Planung weit über Kontrolle und Durchsetzung hinaus verbessern.
Verkehrsplanung kann besser auf tatsächliche Besucheransammlungen reagieren.
Tourismusbehörden können besser erkennen, wo Beherbergungskapazität vorhanden ist, statt nur etablierte Hotelviertel zu betrachten.
Infrastrukturdiskussionen können auf einem breiteren Bild touristischer Aktivität beruhen.
Und Hotelentwicklung kann gemeinsam mit bereits bestehender Kapazität außerhalb des klassischen Hotelbestands bewertet werden.
Nichts davon garantiert bessere Politik.
Aber es gibt Entscheidungsträgern, Bewohnern und der Hotellerie etwas, das in der Debatte über Kurzzeitvermietungen häufig gefehlt hat:
eine vollständigere Karte.
Für die Hotellerie könnte genau darin der eigentliche Wandel liegen.
Der zukünftige Beherbergungsmarkt wird nicht allein dadurch definiert sein, wie viele Hotelzimmer eine Destination besitzt.
Er wird zunehmend davon abhängen, wie gut die Destination jeden Ort versteht, an dem ein Besucher schlafen kann.
Dieser Artikel stützt sich auf öffentlich zugängliche Branchenforschung und die unten genannten Quellen. Interpretation und redaktionelle Analyse stammen vom Cristian Marino Journal.
Quellen
- Eurostat — Tourism nights booked via platforms hit nearly 1 billion, 1. April 2026. Gesamtwert 2025 und Vorjahresvergleich.
- Eurostat — Short-stay accommodation offered via online collaborative economy platforms. Quartalsdaten und methodischer Kontext einschließlich der veränderten Plattformabdeckung.
- European Commission — New rules bring increased transparency to the short-term rentals sector, 20. Mai 2026. Überblick über den Regulierungsrahmen und seine Anwendung.
- Regulation (EU) 2024/1028 — offizieller EUR-Lex-Text. Primäre Rechtsquelle zu Registrierung, Stichprobenkontrollen, Single Digital Entry Points und Meldepflichten der Plattformen.
Übersetzungshinweis: Dieser Artikel wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz aus der englischen Originalausgabe übersetzt. Kleinere sprachliche Unschärfen können verbleiben. Bei Abweichungen bleibt die englische Fassung die redaktionelle Referenz. Englisches Original lesen →
